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Samsung Galaxy S10 im Test – das beste Galaxy aller Zeiten, aber etwas fehlt

Über zwei Milliarden Galaxy-Smartphones konnte Samsung in den letzten 10 Jahren verkaufen – das spricht für die Galaxy-Reihe. Den Grundstein für diesen beachtlichen Erfolg legte Samsung mit der Galaxy S-Reihe im Jahr 2009. Vor ziemlich genau 10 Jahren hat Samsung das erste Galaxy S auf den Markt gebracht, welches auch ich damals im Einsatz hatte.

Mit dem Galaxy S aus dem Jahr 2009 haben die drei neuen Galaxy S10-Modelle nur wenig gemeinsam. Ja, es hat sich in den letzten zehn Jahren bei den Smartphones so einiges getan – zum Glück! Das bezieht sich auf den Smartphone-Markt generell. Lange hatte Samsung bei der Galaxy S-Reihe kaum Konkurrenz, das hat sich inzwischen stark geändert. Insbesondere die chinesischen Hersteller setzen die Südkoreaner an allen Fronten unter Druck – allen voran Huawei.

Huawei hat im letzten Jahr unbestritten den Takt vorgegeben und gezeigt, was technisch bei Smartphones möglich ist. Samsung war mit dem Galaxy S9 (zum Testbericht) und Galaxy Note9 (zum Testbericht) eher zurückhaltend unterwegs. Die Erwartungen an das “Jubiläums-Smartphone” Galaxy S10 sind hoch, ja sogar sehr hoch. Doch kann Samsung den Erwartungen gerecht werden?

Ziemlich genau drei Wochen hat mich das neue Flaggschiff-Smartphone Samsung Galaxy S10 im Alltag begleitet und gerne beantworte ich euch diese wie auch viele weitere Fragen. Falls eine Frage trotzdem nicht beantwortet wurde, meldet euch einfach in den Kommentaren.

Samsung Galaxy S10: Die technischen Daten

  • Display: 6,4 Zoll AMOLED 3040 x 1440 Pixel / 526 PPI
  • Prozessor/GPU: Exynos 9820 Octa-Core / Mali-G76 MP12
  • Speicher: 8 GB RAM / 128 GB UFS 3.1 Speicher
  • Betriebssystem: Android 9 Pie mit Samsung One UI
  • Hauptkamera: Telephoto: 12MP PDAF, F2.4, OIS (45°) / Wide-angle: 12MP Super Speed Dual Pixel AF, F1.5/F2.4, OIS (77°) Ultra Wide: 16MP FF, F2.2 (123°)
  • Frontkamera: 10MP Dual Pixel AF, F1.9 (80°)
  • Anschlüsse: USB Typ C (USB 3.1), 3,5 mm Klinkenanschluss
  • Verbindungen: LTE Cat. 20, NFC, WiFi 6 (Dual-Band), GPS, Bluetooth 5.0
  • Dual-SIM: Ja und/oder microSD-Slot
  • Akku: 4100 mAh
  • Wireless-Charging: Ja (inkl. Wireless PowerShare)
  • Abmessungen: 149,9 x 70,4 x 7,8 Millimeter
  • Gewicht: 157 Gramm
Samsung Galaxy S10
Das befindet sich im Lieferumfang.

Design und Verarbeitung
Samsung hat mir ein paar Wochen vor dem offiziellen Marktstart das Galaxy S10 in Prism White bereitgestellt. Ehrlich gesagt war ich etwas skeptisch was diese Farbvariante betrifft, was sich aber sehr schnell relativiert hat. Nein, die neue Farbvariante sieht tatsächlich verdammt schön aus! Je nach Reflexion schimmert das Gerät blau / rosa – fast wie eine Perle. Schade nur, dass die meisten Nutzer eine Schutzhülle anbringen.

Wenn wir schon bei der wunderschönen Rückseite sind, da gibt es “nur” noch die leicht aus dem Gerät ragende Triple-Kamera. Bekanntlich hat Samsung den Fingerabdrucksensor beim Galaxy S10 und Galaxy S10+ nun direkt in das Display verfrachtet. Samsung setzt dafür einen Ultraschall-Sensor ein, womit sich dieser grundlegend von den optischen Sensoren unterscheidet, die unter anderem von Huawei eingesetzt werden. Ob diese Technologie besser ist? Das gibt’s weiter unten.

Was das Design an sich betrifft, hat sich nicht soooo viel gegenüber den beiden Vorgängern Galaxy S8 und Galaxy S9 getan – zumindest wenn das Display ausgeschaltet ist. Das Gerät erinnert unweigerlich an die beiden Vorgänger. Schlecht ist das nicht, überhaupt nicht. Ich mag das Design der Galaxy-Smartphones. Es widerspiegelt aber nicht unbedingt den grossen Fortschritt den man sich vielleicht vom Galaxy S10 erhofft hat.

Samsung Galaxy S10
Yep, der Metallrahmen ist in Chrom gehalten.

Samsung färbt den Metallrahmen beim Modell in Prism White in glänzendem Silber ein, was mir sehr gut gefällt. Am Rahmen ist rechts der Power-Button zu finden, der für meinen Geschmack etwas zu hoch angebracht ist. Gegenüberliegend haben wir die Lautstärke-Wippe und.. Überraschung… den Bixby-Button! Doch Entwarnung: Dieser lässt sich auf Wunsch anpassen.

Unten gibt es den USB C-Anschluss (USB 3.1), ein Mikrofon und Lautsprecher. Zudem verbaut Samsung als einer der wenig überbleibenden Hersteller beim Galaxy S10 weiterhin einen 3,5 mm Klinkenanschluss. Das dürfte vor allem Nutzer freuen, die auch weiterhin ihre kabelgebundenen Kopfhörer nutzen möchte. Oben befindet sich der SIM-Schacht und ein Mikrofon. Eine Benachrichtigungs-LED gibt es leider nicht mehr.

Die Übergänge vom Display bzw. von der Rückseite zum Metallrahmen sind abgerundet. Das Galaxy S10 liegt damit und in Verbindung mit dem angenehmen Gewicht von 157 Gramm ausgesprochen gut in der Hand. Weiterhin ist das Galaxy S10 mit einer IP68-Zertifizierung versehen, womit es bis zu einem gewissen Grad wasser- und staubdicht ist.

Samsung Galaxy S10
Einer von vielen, witzigen Wallpaper.

Die Vorderseite stellt eines der Highlights des neuen Galaxy S10 dar. Mit einer Screen-to-Body-Ratio von nahezu 93 Prozent, bekommt man diesmal bei Samsung ganz schön viel Display, das übrigens ab Werk mit einer Displayfolie geschützt wird. Eine (breite) Notch, wie wir sie bei vielen Smartphones im 2018 gesehen haben, gibt es nicht. Dafür setzt Samsung auf ein sogenanntes Punch-Hole bzw. Kameraloch. Im Gegensatz zum Honor View 20, ist das Loch rechts.

Im Alltag stört das Kameraloch nicht und man gewöhnt sich sehr schnell dran. Wenn ich mich zwischen einer (fetten) Notch und dem Loch entscheiden müsste, würde ich mich wohl für das Loch entscheiden. Ob es die perfekte Lösung darstellt? Nein, das nicht, aber es ist ein frischer Wind und mal etwas anders als eine Notch. Im letzten Jahr hat praktisch jedes Smartphone vorne genau gleich ausgesehen.. ja das Kameraloch ist definitiv eine willkommene Abwechslung und eignet sich so nebenbei erwähnt besonders gut für witzige Wallpaper. 🙂

Wie bei Samsung schon länger üblich, lässt die Verarbeitung keine Wünsche übrig. Alles sitzt bombenfest, nichts knarzt und es gibt keine unschönen oder unregelmässigen Spaltmasse. Ausgezeichnet, mehr gibt es zu diesem Punkt nicht zu sagen.

Samsung Galaxy S10
.. und noch ein weiterer Wallpaper, der das Kameraloch perfekt “versteckt”.

Display
Das “Prädikat” ausgezeichnet verdient sich auch das verbaute 6,1 Zoll Super-AMOLED-Display mit QHD+ Auflösung. Die Spezialisten von DisplayMate sprechen wie schon in den vielen Jahren zuvor vom besten Smartphone-Display. Der südkoreanische Hersteller übertrifft sich in dieser Disziplin augenscheinlich Jahr für Jahr gleich selbst.

Ob das Galaxy S10 jetzt so viel besser als das im Galaxy S9 oder auch das vom Huawei Mate 20 Pro ist, kann ich ehrlich gesagt nicht wirklich beurteilen. All diese Smartphones haben in meinen Augen (höhö) ein ausgezeichnetes Display verbaut. Der Unterschied fällt vermutlich nur unter Laborbedingungen auf. Ich kann nur sagen, dass das Galaxy S10 ein Display mit tollen Farben und Kontrasten, sehr guter Blickwinkelstabilität und natürlich ein tiefes Schwarz überzeugen kann. Hinzu kommt eine sehr hohe Helligkeit – alles in allem also ein ausgezeichnetes OLED-Display.

Wie bei Samsung üblich, ist die Auflösung ab Werk auf FHD+ eingestellt und das hab ich, bis auf einen kurzen Test, so auch belassen. Ich konnte so nebenbei erwähnt keinen Unterschied zwischen FHD und QHD erkennen. Einen Unterschied ist dafür bei den verschiedenen Farbmodi zu erkennen, die in den Systemeinstellungen ausgewählt werden können. Ausgeliefert wird das Galaxy S10 übrigens auf dem Modi “Natürlich”  und nicht wie bisher auf “Lebendig”.

Samsung Galaxy S10
Welcher Farbmodi soll es sein?

Noch ein paar weitere Worte zum Loch oben rechts. Im Vergleich zum Honor View 20 sieht das Loch beim Galaxy S10 einfach besser oder anders gesagt, irgendwie sauberer aus. Könnte auch damit zu tun haben, dass das View 20 ein LCD- und das Galaxy S10 ein AMOLED-Panel verbaut hat. Und wie schon erwähnt, bei der Nutzung im Alltag fällt das Loch nicht negativ auf.

So und jetzt noch zum typischen Problem der abgerundeten Seiten. Die abgerundeten Seiten spiegeln teilweise, was dann eine direkte Auswirkung auf die Farbwiedergabe an dieser Stelle hat. Nicht extrem tragisch, aber trotzdem halt ein kleiner Makel. Ehrlich gesagt würde ich den abgerundeten Seiten bzw. dem Edge-to-Edge-Display von Samsung nicht wirklich nachtrauern..

Samsung Galaxy S10
Ach.. ich kann es nicht lassen. Hab dich!

Hardware, Performance und Benchmark
Das Galaxy S10 wird in Europa mit dem hauseigenen Exynos 9820-SoC ausgeliefert, der erstmals eine NPU (Neural Processing Unit) für KI-Aufgaben integriert hat. Im Gegensatz zum Qualcomm Snapdragon 855 oder HiSilicon Kirin 980, die beide im 7-Nanometer-Verfahren gefertigt werden, hat sich Samsung für das 8-Nanometer-Fertigungsverfahren entschieden. Ein Nachteil?

Nein, überhaupt nicht. Das Smartphone ist pfeilschnell unterwegs und lässt hinsichtlich Performance absolut keine Wünsche übrig. Apps öffnen sich in der Regel ohne Verzögerungen und Multitasking beherrscht das Gerät dank dem 8 GB Arbeitsspeicher einwandfrei. Ich muss aber erwähnen, dass die zusätzliche Performance der neuen Hardware nicht wirklich spürbar ist – zumindest im Alltag nicht. Aktuelle Highend-Smartphones bieten mittlerweile alle eine hervorragende Performance – die Unterschiede sind minimal.

Spürbar bzw. ersichtlich ist die zusätzliche Performance in den verschiedenen Benchmarks. Ja, hier lässt sich ein Geschwindigkeitszuwachs erkennen. Und ja, das Galaxy S10 lässt in den Benchmarks seine Muskeln spielen und erreicht im AnTuTu und Geekbench sehr gute Resultate – die besser sind als die vom Huawei Mate 20 Pro. Wirklich spürbar ist dieser Unterschied wie erwähnt jedoch nicht. Folgend die Benchmark-Resultate vom Galaxy S10 im Vergleich mit dem Galaxy Note9 (rechts):

Ach ja, mit dem Galaxy S10 lassen sich alle aktuellen Games wiedergeben – mit allen Details und so. Asphalt 9, PUBG Mobile & Co. laufen absolut flüssig, lassen das Gerät aber spürbar warm werden – wie auch die beiden oben genannten Benchmarks. So heiss, wie dazumal das Galaxy S2, wird das Galaxy S10 glücklicherweise nicht. 🙂

Samsung Galaxy S10
Das Kameraloch stört auch bei einer Runde Asphalt 9 im Zug nicht..

Ultraschall-Fingerabdrucksensor – gut, aber nicht sehr gut
Hmm, ich bin etwas hin und her gerissen vom ersten Ultraschall-Fingerabdrucksensor im Display. Fakt ist, er ist deutlich sicherer als die optischen Sensoren, die von anderen Herstellern wie Huawei oder OnePlus eingesetzt werden. Aber ehrlich gesagt habe ich mir etwas mehr vom weltweit ersten Smartphone mit dieser Technologie erhofft.

Samsung Galaxy S10
Scannen des Fingerabdrucksensors.

Manchmal funktioniert der Sensor gut, dann wiederum lässt die Geschwindigkeit und auch Erkennungsrate zu wünschen übrig. Wirklich reproduzieren kann ich nicht, warum es mal besser und mal schlechter funktioniert. Eins kann ich jedenfalls sagen, ein klassischer Fingerabdrucksensor ist weiterhin schneller und halt einfach besser.

So gut wie auf dem folgenden GIF, hat es leider nicht immer funktioniert…

Software
Wie es sich für ein 2019er Flaggschiff-Smartphone gehört, wird das Galaxy S10 direkt ab Werk mit Android 9 Pie ausgeliefert. Nach der Inbetriebnahme wurde gleich das erste Software-Update zum Download angeboten, mit dem einige Verbesserungen vorgenommen werden und der Android-Sicherheitspatch vom Februar 2019 installiert wird.

Irgendwann gegen Ende des letzten Jahres hat Samsung die neue Oberfläche One UI angekündigt. Samsung orientiert sich damit stärker an Stock-Android und möchte insbesondere die Bedienung deutlich erleichtern. Wie ich finde ist das Samsung richtig gut gelungen. Über das Design lässt sich streiten, aber was die Bedienung anbelangt, da macht Samsung diesmal fast alles richtig.

Samsung hat nach all den Jahren endlich etwas aus meiner Sicht grundlegendes verstanden: Die Bedienelemente werden durchs Band am unteren Drittel des Displays dargestellt. Das erleichtert die Bedienung und entlastet meinen Daumen im Alltag ungemein. Ja, bei Samsung hat sich endlich jemand wirklich Gedanken zur Benutzeroberfläche gemacht, die in den letzten Jahren immer wieder gerne kritisiert wurde. Ich sage nur TouchWiz..

Die neue Oberfläche fühlt sich befreiter an, viel schneller, weniger Schnickschnack und Animationen. Das kommt sicherlich nicht nur bei mir gut an. Wobei, eine Animation muss ich euch zeigen, die hat mir besonders gut gefallen:

 

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Endlich würde ich behaupten, dass die Oberfläche nicht komplett überladen wirkt – sehen wir mal ab von der Bloatware, die leider ziemlich “prominent” vertreten ist. Perfekt ist One UI noch nicht, Luft nach oben gibt es weiterhin. Ich denke da an den Home-Screen, der sich noch nicht so stark individualisieren lässt wie beispielsweise der Nova Launcher.

Ein paar Worte zur Gestensteuerung. Samsung hat sich die Mühe gemacht eine eigene, optionale Gestensteuerung zu integrieren. Google’s Lösung, die auch nicht perfekt ist, kann nicht aktiviert werden. Mit aktivierter Gestensteuerung wird der Balken unten mit den Bedienelementen ausgeblendet, folgerichtig gibt es mehr Display. Nur, die Gestensteuerung bzw. die Wischgesten von Samsung wirken wenig “fortschrittlich”.

Samsung Galaxy S10
Die Wischgesten sind nicht besonders “fortschrittlich”, aber durchaus intuitiv.

Es gibt bei Samsung drei Wischgesten, die sich jeweils von unten nach oben ausführen lassen. Mit einem Wisch links wird die Multitasking-Ansicht geöffnet, in der Mitte geht’s zurück zum Home-Screen, und mit einem Wisch rechts landet man einen Schritt zurück. So wenig fortschrittlich die Wischgesten auch sind, konnte ich mich aber erstaunlich schnell damit zurecht finden.

Der digitale Sprachassistent Bixby ist natürlich auch beim Galaxy S10 wieder mit von der Partie. Und hey, der Assistent spricht endlich sogar Deutsch! Mit dem Bixby Routinen gibt es sogar ein ziemlich interessantes Feature, wobei die nicht besonders viel mit dem Sprachassistenten zu tun haben. Das Prinzip dabei ist immer gleich: Wenn-Dann. Beispielsweise: Wenn ich bei der Arbeit erscheine, dann schalte die Lautstärke aus und die Vibration ein. Kann durchaus nützlich sein und funktioniert einwandfrei, es sind damit aber keine so komplexen Routinen wie mit Tasker möglich.

Bixby selber habe ich nur ganz kurz ausprobiert. Oftmals versteht er nicht genau was ich will, dafür ist die Stimme sehr angenehm und natürlicher als bei Google Assistant und Amazon Alexa. Will Samsung wirklich mit diesen beiden Mitbewerbern mithalten, muss da noch so einiges geschehen. Momentan sehe ich ehrlich gesagt keine Daseinsberechtigung für Bixby..

Wer schon immer ausführlich wissen wollte, wie lange das Smartphone tatsächlich genutzt wird und in welchen Apps die meisten Zeit draufgeht, sollte beim Galaxy S10 einen Blick auf das “Digitale Wohlbefinden” werfen. Genau dort werden solche Punkte aufgeführt, wie auch die Möglichkeit die Nutzung einzuschränken – sofern dann gewollt. Dieses Feature kennen wir bereits von Google – Digital Wellbeing.

Samsung Galaxy S10
Digitales Wohlbefinden zeigt uns unter anderem die Nutzung des Smartphones an.

Ja, aus meiner Sicht hat Samsung bei der Software extrem aufgeholt. Umso erfreulicher ist, dass die neue OneUI nicht nur den neuen Smartphones vorbehalten ist. Samsung bringt die Oberfläche mit dem Update auf Android 9 Pie auf zahlreiche Smartphones der vergangenen Jahre.

Samsung Galaxy S10
Was man nicht alles im Aufzug machen kann…

Kamera
In puncto Kamera musste sich Samsung im letzten Jahr von Huawei bzw. dem P20 Pro und dem Mate 20 Pro geschlagen geben. Die drei unterschiedliche Sensoren im Galaxy S10 sollen dafür sorgen, dass genau das in diesem Jahr nicht wieder passiert. Die Sensoren setzen sich wie folgt zusammen:

  • Telephoto: 12MP PDAF, F2.4, OIS (45°)
  • Wide-angle: 12MP Super Speed Dual Pixel AF, F1.5/F2.4, OIS (77°)
  • Ultra Wide: 16MP FF, F2.2 (123°)

Auf ein ähnliches Setting setzt Huawei beim Mate 20 Pro – allerdings mit anderen Sensoren. Doch wie wir spätestens seit dem Google Pixel 3 (XL) wissen, ist die Qualität der Aufnahmen nicht primär abhängig von der Anzahl verbauten Sensoren, sondern letztendlich von einer ausgeklügelten Software. Die gute Nachricht: Samsung patzt weder bei der Hardware, noch bei bei der Software

Das Galaxy S10 liefert bei guten Lichtverhältnissen ab. Die Aufnahmen weisen knackige Farben auf und sind auch bei näherer Betrachtung scharf, die Software übertreibt es aber ab und zu bei der Farbsättigung. Den Ultra-Weitwinkelsensor habe ich schon im Mate 20 Pro geschätzt – und schätze ich auch beim Galaxy S10. Dieser Sensor ermöglicht eine grössere Vielfalt beim fotografieren, die ich nicht mehr missen möchte.

Samsung Galaxy S10

Im Automatik-Modus lässt sich der sogenannte “Szenenoptimierer” einschalten, was im Grunde genommen ein KI-Modus ist. Mit aktiviertem Szenenoptimierer passt die Kamera-Software die Einstellungen automatisch an das Motiv an. Das geschieht mal besser, mal schlechter. Schade gibt es den Nachtmodus (Helle Nacht) nur über die Szenenoptimierung – manuell lässt sich dieser nicht einschalten.

Im Modus “Helle Nacht” wird eine Bilderreihe aufgenommen, genau so wie das beispielsweise bei Huawei und Google geschieht. An den Nachtmodus geschweige den Nachtaufnahmen von Huawei und Google reicht der von Samsung aber nicht heran. Die Aufnahme sind nicht schlecht, weisen aber mehr rauschen auf als bei den Mitbewerbern. Dafür hellt Samsung das Bild nicht dermaßen künstlich auf, wie bei den anderen zwei. Vom Ultra-Weitwinkel- und Telesensor sollte man so oder so bei schlechten Lichtverhältnissen absehen, damit wird noch ausgeprägteres rauschen verursacht.

Damit verliert Samsung aus meiner Sicht in einer “prestigeträchtigen” Disziplin. Bei optimalen Lichtverhältnissen bieten inzwischen alle High-End-Smartphones tolle Resultate, nicht so aber bei Low-Light-Situationen. In dieser Disziplin können die Hersteller noch für “Wow”-Effekte sorgen – Samsung löst diesen Effekt bei mir aber nicht aus. Ich hätte mir in dem Bezug etwas mehr von Samsung erhofft.

Dafür stattet Samsung die durchdachte und übersichtliche Kamera-App wieder mit zahlreichen sinnvollen und weniger sinnvollen Features aus. Gerne genutzt habe ich den Bokeh-Effekt, dieser ist bei Samsung unter dem Punkt “Live-Fokus” zu finden. Neu lässt sich nicht nur der Hintergrund unscharf darstellen, auf Wunsch lässt sich dieser in Schwarz-Weiß oder mit Dreh- und Zoomeffekten zeichnen. Das funktioniert sehr präzise, vorausgesetzt die Lichtbedingungen sind gut.

AR-Emojis sind weiterhin dabei, wurden aber glücklicherweise von Samsung nochmals überarbeitet. Sehen jetzt etwas besser aus – wobei das weiterhin Geschmacksache ist. Ich persönlich kann mit dem AR-Emojis aber weiterhin herzlich wenig anfangen. Bedeutend sinnvoller sind die Funktionen “Aufnahmevorschläge” und “Mängelerkennung” – die nicht neu sind, aber sehr zu empfehlen. Diese Funktionen müssen in den Kameraeinstellungen separat aktiviert werden.

Samsung Galaxy S10
Drei nützliche Kamera-Funktionen, die ich gerne aktiv gelassen habe.

Mit den Aufnahmevorschlägen werden direkt auf dem Display diverse Anleitungen eingeblendet, darunter beispielsweise eine Wasserwaage. Mithilfe der Darstellung der Wasserwaage soll das Bild korrekt ausgerichtet werden. Mit der Mängelerkennung werden wir darüber informiert, wenn ein Bild verschwommen ist oder eine Person blinzelt. Ausserdem weist uns die Kamera dann auch hin, wenn die Kamera verschmutzt ist. Beide Funktionen habe ich als sinnvoll erachtet und aktiv gelassen.

So und nun noch zur Frontkamera, die sich auf dem Datenblatt folgend präsentiert:

  • Selfie: 10MP Dual Pixel AF, F1.9 (80°)

Im Galaxy S10 gibt es “nur” eine herkömmliche Frontkamera, nur das Plus-Modell hat zwei Sensoren auf der Vorderseite verbaut – weist dafür aber ein noch breiteres Kameraloch auf. Beide Galaxy S10-Smartphones sind im Stande 4K-Videos über die Selfie-Kamera aufzunehmen. Die Hauptkamera auf der Rückseite kann übrigens auch 4K, im Gegensatz zur Frontkamera aber mit bis zu 60 fps und nicht “nur” mit 30 fps.

Die Frontkamera lässt “normale” Aufnahmen und mit “Weitwinkel” zu. In beiden Modi überzeugt die Kamera vollends. Samsung liefert meiner Meinung nach die aktuell beste Frontkamera in einem Smartphone ab.

Ein paar Beispiel-Aufnahmen der Kamera des Samsung Galaxy S10 sind in diesem Album bei Google Fotos zu finden.

Samsung Galaxy S10 im Unboxing

Konnektivität und Sprachqualität
Das Samsung Galaxy S10 unterstützt LTE Cat. 20 und damit sehr hohe, wenn auch theoretische Übertragungsraten. Das Galaxy S10 beherbergt einen Hybrid-Slot, mit dem auf Wunsch zwei nanoSIM- oder eine nanoSIM- + microSD-Karte genutzt werden kann. Beide SIM-Slots beherrschen Sprachanrufe und Daten (LTE).

Das Galaxy S10 ist wie auch das Galaxy S10+ unterstützten als erste Smartphones den WiFi 6-Standard. Ursprünglich wurde dieser Standard als WiFi ax angekündigt – dann aber durch die Alliance in WiFi 6 unbenannt. Selbstverständlich wird das 2,4- und 5 GHz-Band unterstützt. Die Reichweite ist einwandfrei und auch die Geschwindigkeit auf einem hohen Niveau.

Unterstützt werden ab Werk VoLTE und WiFi-Calling. Die Sprachqualität beim Telefonieren war stets gut.

Samsung Galaxy S10
Okay.. über die Farbe der Hülle kann man sich streiten. Ansonsten ist das Leder Cover aber ebenfalls wunderbar verarbeitet.

Akku
Im Vorfeld wurde vor allem der 4100 mAh Akku im Galaxy S10+ hochgelobt. Trifft das auch auf das Galaxy S10 zu, in dem aber “nur” einen 3400 mAh Akku verbaut ist? Nicht ganz. Ich bezeichne mich als Power-User und bin auch sehr viel geschäftlich mit dem Öv unterwegs.

Während jeweils 2 bis 2 1/2 Stunden höre ich auf meinem Arbeitsweg via Deezer Musik, spiele nebenbei etwas Asphalt 9 und surfe etwas im Netz. Darüber hinaus nutze ich das Gerät über den Tag verteilt und die Push-Benachrichtigung wie auch Synchronisation der Mails sind aktiv. Mit diesem Nutzungsverhalten schaffe ich es gerade noch bis zum Abend – danach muss das Ding wieder an die Steckdose. Von Laufzeiten wie beim Mate 20 Pro bin ich weit entfernt. Allerdings ist das Energiemanagement bei Samsung nicht derart strikt wie bei Huawei.

Apropos Huawei. Auch Samsung bietet jetzt die Möglichkeit an, ein anderes Qi-fähiges Smartphone auf Wunsch aufzuladen. Das sogenannte “Wireless PowerShare” eignet sich allerdings nicht zum Laden eines anderen Smartphones. Dafür hat das Galaxy S10 schlichtweg einen zu kleinen Akku verbaut und der Ladevorgang geht auch nicht wahnsinnig schnell vonstatten.

Samsung Galaxy S10
Auch ein schöner Rücken kann entzücken.. oder?

Und sonst so?

  • Gesichtsentsperrung – Kommen wir zu einer weiteren Entsperrmöglichkeit – mit dem Gesicht. Das funktioniert zwar sehr schnell, ist aber nicht wirklich sicher. Ein Test mit einem ausgedruckten Foto von mir hat das leider bestätigt. Der 3D-Gesichtsscan vom Mate 20 Pro (zum Testbericht) oder ein Iris-Scanner (gibts nicht mehr..) bietet eine deutlich höhere Sicherheit.
  • Stereo-Lautsprecher – Im Galaxy S10 gibt es zwei Lautsprecher, wobei auch die Ohrmuschel als Wiedergabequelle genutzt wird. Ja, und das hört sich ganz okay an. Die Ohrmuschel ist nicht zu leise und erreicht eine angenehme Lautstärke. Viel Bass sollte man aber nciht erwarten.

Samsung Galaxy S10

Fazit
Das Galaxy S10 ist ohne Zweifel das beste Galaxy-Smartphone das ich bisher in den Händen gehalten habe. Ja, es ist in meinen Augen ein würdiger Nachfolger des Galaxy S9. Samsung ist es mit dem Jubiläums-Smartphone gelungen zum Mitbewerber Huawei aufzuschliessen. In puncto Software bietet Samsung dank One UI nach Stock-Android die für mich beste und durchdachteste Benutzeroberfläche.

Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich etwas mehr von Samsung erwartet habe. Ja natürlich, Samsung hat (endlich) mit dem Galaxy S10 zu Huawei (und Google) aufgeschlossen, aber die Südkoreaner haben es nicht geschafft, sie durch Innovationen in den Schatten zu stellen. Als Marktführer kann und darf es nicht der Anspruch sein, einfach gleich gut wie die anderen zu sein – nein, man will und muss das beste Gesamtpaket liefern.

Und das liefert Samsung nicht – wenn dann, in etwa das gleich gute Gesamtpaket. Es fehlt aber ein “Killer-Feature”, etwas was die anderen nicht haben und vorerst auch nicht haben werden. Wo sind die Innovationen? Klar, faltbar soll es in die Zukunft gehen, aber das ist noch Zukunftsmusik – und vorerst unbezahlbar. Apropos unbezahlbar, auch das Galaxy S10 und Galaxy S10+ haben ein saftiges Preisschild erhalten.

Nicht falsch verstehen, das Galaxy S10 ist ein hervorragendes Smartphone. Aber Huawei wird ziemlich sicher mit dem P30 Pro in ca. zwei Wochen die Messlatte wieder höher legen.. wetten?

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Bruno Rivas

Ist schon seit dem T-Mobile G1 (Import) mit Android unterwegs und nach wie vor begeistert davon! Du findest mich auch auf Google+, Facebook und Twitter

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