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Nokia 5.3 im Test – Preiswertes und langatmiges Smartphone

Vor ein paar Wochen habe ich von HMD Global, The home of Nokia phones, ein kleines Paket erhalten, in dem sich das Nokia 5.3 in der Farbvariante Charcoal befand. Das Mittelklasse-Smartphone wurde Ende März vorgestellt und kann seit ungefähr Mitte Mai in der Schweiz zum attraktiven Preis von 199 Franken (UVP) gekauft werden.

Das Datenblatt liest sich jetzt nicht besonders spektakulär und meine Erwartungen waren dementsprechend nicht allzu hoch. Trotzdem habe ich mir natürlich die Frage gestellt, was man im 2020 von einem nicht einmal 200 Franken “teuren” Smartphone erwarten kann? Nun, so viel sei schon an dieser Stelle verraten, ich würde überrascht – positiv, versteht sich.

Auf den folgenden Zeilen verrate ich dir nicht nur in welchen Punkten sich das Nokia 5.3 gut geschlagen hat, sondern auch wo man in dieser Preisklasse mit Abstrichen rechnen muss. Am Schluss des Artikels findest du eine nette Gegenüberstellung der “positiven” und “negativen” Aspekte des Nokia 5.3 – sofern du keine Lust hast, dich durch die vielen Wörter zu kämpfen.

Gehäuse aus Plastik, na und?

Ja Leute, das Gehäuse ist aus Plastik bzw. “Komposit”, wie es HMD Global nennt. Hört sich besser an, ändert aber nichts am “Plastik-Feeling”. Tragisch ist das nicht – nicht bei einem 199 Franken-Smartphone. Tragisch wäre es, wenn die Verarbeitung schlecht wäre. Das ist aber nicht der Fall, überhaupt nicht. Es knarzt nichts am Gehäuse und es sieht im Fall absolut in Ordnung aus.

Die Rückseite beherbergt eine kreisrunde Quad-Kamera mit einem mittig angebrachten LED-Blitz. Das Kameramodul ragt ein paar Millimeter aus dem Gehäuse heraus. Gleich darunter befindet sich ein klassischer und akkurat arbeitende Fingerabdrucksensor. Das kein Fingerabdrucksensor direkt im Display integriert wurde, ist in dieser Preisklasse absolut nachvollziehbar.

Freunde von kleinen, oder sagen wir mal kompakten Smartphones, werden mit dem Nokia 5.3 mit Abmessungen von 164,3 x 76,6 x 8,5 mm vermutlich nicht glücklich. Trotz leichter Plastik-Rückseite, bringt es das Gerät auf ein stattliches Gewicht von 185 Gramm. Warum das so ist? Nun, HMD Global geizt bei der Akku-Power nicht. Die Faustregel ist einfach: Viel Akku = mehr Gewicht.

Die Vorderseite wird grösstenteils vom 6,55 Zoll Display eingenommen. Oben gibt es eine sogenannte Waterdrop-Notch und unten ist ein Rand mit dem Nokia-Logo sichtbar. An ein Flaggschiff kommt HMD Global mit den ausgeprägten Rändern nicht an. Okay, wir sprechen hier auch von einem Preisunterschied von ca. 1000 Franken. Das sollte nicht vergessen werden, gell.

Auf der rechten Seite gibt es den Power-Button und die Lautstärke-Wippe. Gegenüberliegend ist einerseits der SIM-Karten-Einschub (Nano+Nano oder Nano+microSD) und andererseits die dedizierte und nicht anders belegbare Google Assistant-Taste zu finden. Unten gibt es den USB-C-Anschluss, Lautsprecher und ein Mikrofon. Erfreuliches entdecken wir oben: Ja, es gibt ein 3,5 mm Klinke (und ein weiteres Mikro).

Keine Augenweide: 5,5 Zoll Display mit HD+-Auflösung

Nokia verbaut im Nokia 5.3 ein 5,5 Zoll LC-IPS-Display mit HD+-Auflösung (1600 x 720 Pixel) und einem 20:9-Seitenverhältnis. Mit dieser Diagonale und Auflösung kommt das Nokia 5.3 auf eine Pixeldichte von nur 265 PPI. Das ist bei dieser Diagonale keine Glanzleistung – im Gegenteil. Richtig “scharf” ist das Display damit nicht. Das können andere Hersteller in der gleichen Preisklasse besser.

Die Farbwiedergabe und die Blickwinkelstabilität gehen insgesamt in Ordnung. Die Display-Helligkeit (laut Hersteller 450 cd/qm) wird dem Preis gerecht – mehr nicht. Bei direkter Sonneneinstrahlung entpuppt sich die geringe Helligkeit wenig überraschend als Nachteil. Die automatische Helligkeitssteuerung ist für meinen Geschmack im Freien zudem etwas zurückhaltend.

Das Display dürfte gerne etwas mehr Helligkeit bieten.

Mit der Funktion “Nachtlicht”, welche zeitlich terminiert und in der Intensität angepasst werden kann, wird der Displayanzeige eine gelbe Tönung verpasst. Das soll in dunklen Umgebungen die Augen schonen und soll damit das Einschlafen erleichtern. Meine Empfehlung: Nehmt das Smartphone schon gar nicht ins Schlafzimmer mit.

Wer sich an Smartphones mit einer FHD+ oder QHD+-Auflösung gewöhnt ist, so wie ich, der könnte sich an der geringen Display-Auflösung stören. Und ja, es gibt in dieser Preisklasse auch andere Kandidaten, welche eine FHD+-Auflösung bieten. Dem Nokia 5.3 hätte ein höher auflösendes Display definitiv gut gestanden.

Kamera: Makro und Nachtmodus enttäuschen

Das Nokia 5.3 ist mit insgesamt vier Kamerasensoren bestückt. Der Hauptsensor erreicht eine Auflösung von 13 Megapixeln bei einer f/1.8-Blende. Dazu gibt es eine 5 Megapixel-Ultraweitwinkelkamera sowie eine Makro- und Tiefenkamera mit jeweils 2 Megapixeln. In der Waterdrop-Notch auf der Vorderseite befindet sich die 8 Megapixel-Selfie-Kamera.

Der Hauptsensor liefert bei guten Lichtverhältnissen, ergo bei Tageslicht, absolut brauchbare Aufnahmen. In Verbindung mit dem Tiefensenor gelingen auch gute Aufnahmen mit Tiefenunschärfe, dem sogenannten Bokeh-Effekt. Folgend gibt es einmal ein Foto bei guten Lichtverhältnissen und eines mit Tiefenunschärfe.

Auffallend: Das Nokia 5.3 hält sich bei allen Kamerasensoren bei den Farben dezent zurück. Dadurch wirken die aufgenommenen Fotos im Vergleich zu anderen Herstellern etwas “blass”, liegen aber in der Regel eher an der Realität. Wer etwas mehr “Pepp” in seine Aufnahmen bringen möchte, der sollte den HDR-Modus aktivieren.

Wie es sich für ein Smartphone im 2020 gehört, bietet auch das Nokia 5.3 eine KI (künstliche Intelligenz). Sie erkennt unter anderem Gegenstände und Objekte, wie beispielsweise Pflanzen oder Blumen, und nimmt automatische Anpassungen an den Kameraeinstellungen vor. Das funktioniert relativ flott und die Erkennung geht in Ordnung. Am Resultat ändert sich jedoch nicht besonders viel.

Bei optimalen Lichtverhältnissen entstehen auch mit dem Weitwinkelsensor auf den ersten Blick gute Fotos. Zu den Seiten hin, ist jedoch eine Unschärfe zu erkennen.

Die Ultraweitwinkelkamera löst mit 5 Megapixeln auf. Sie nimmt im Vergleich zum Hauptsensor weniger Licht auf, was im Endeffekt in dunkleren Fotos resultiert. Weiterhin tendiert die Ultraweitwinkelkamera teilweise zu unscharfen Aufnahmen – auch bei guten Lichtverhältnissen. Dieses unschöne Phänomen ist insbesondere zum Rand hin zu sehen.

Etwas mehr Details täten der Makrokamera gut.

Eine Enttäuschung stellt der Makrosensor dar. Normalerweise sollte dieser Sensor auch bei Nahaufnahmen für gute Aufnahmen sorgen, das Gegenteil ist der Fall. Der Sensor nimmt schlichtweg viel zu wenig Details auf, so dass Makroaufnahmen spätestens auf einem grösseren Bildschirm einfach nur schlecht aussehen. Schade.

Eine weitere Enttäuschung setzt es beim Nachtmodus ab. Auf den in der Kamera-App integrierten Nachtmodus hätte Nokia verzichten können. Er liefert keine nennenswerte Vorteile gegenüber Nachtaufnahmen ohne aktiviertem Modus. Generell ist die Kamera-Performance bei schwachen Lichtverhältnissen – mit und ohne Nachtmodus – schwach.

Die 8 Megapixel Selfie-Kamera erreicht Schnappschussqualität, viel mehr nicht. Weiterhin kann das Nokia 5.3 ebenfalls auch Videos aufnehmen. Das ist theoretisch mit allen drei Kamerasensoren (Haupt, Ultraweitwinkel und Makro) möglich, dürfte aber nur mit der Hauptkamera einen Sinn ergeben. Die anderen Sensoren liefern eine zu schlechte Qualität ab.

Kurz und bündig: Wer auf der Suche nach einem starken und vielfältigen Kamera-Smartphone ist, der sollte das Nokia 5.3 nicht in die engere Wahl aufnehmen. Wer sich mit Schnappschussqualität zufrieden gibt, der bekommt genau das beim Nokia 5.3 geliefert.

Weitere Beispielfotos vom Nokia 5.3 gibt es in der Google Fotos Galerie unter diesem Link

Hardware und Ausstattung: Geht klar

Das Nokia 5.3 wird vom Qualcomm Snapdragon 665 angetrieben. Es ist ein SoC der sich bei Mittelklasse-Smartphones bewährt hat und eine grundsolide Leistung mit sich bringt. Dem SoC stehen 3, 4 oder 6 GB RAM* zur Seite. Intern gibt es ordentliche 64 GB Speicher, die mittels microSD-Karte preiswert erweitert werden können.

* = In der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) wird so weit ich weiss nur das Modell mit 4 GB RAM verkauft.

Den Alltag kann mit dem Nokia 5.3 problemlos bewältigt werden. Apps starten zügig und Ruckler gibt es eher selten. Klar, man spürt schon, dass dem Nokia 5.3 kein extrem potenter Prozessor zur Seite steht, aber hier darf der Preis nicht ausser acht gelassen werden. Wer mehr Leistung und damit ein schnelleres System wünscht, muss zwangsläufig tiefer in die Tasche greifen.

Ja, Asphalt 9 läuft auf dem Nokia 5.3.

Für die Gamer-Fraktion unter uns: Ja, die Leistung reicht für die gängigsten Games grundsätzlich aus. Grundsätzlich weil: Je nach Spiel, kann nicht mit der höchsten Grafikeinstellung gezockt werden. Das fällt beispielsweise beim Arcade-Racer Asphalt 9 auf. Diesen Kompromiss muss bei einem 199 Franken-Smartphone einfach eingegangen werden.

Wer gedenkt mit dem Nokia 5.3 auch mal Musik zu hören, der sollte dies unbedingt via Kopfhörer über den 3,5 mm Klinkenanschluss oder Bluetooth-Kopfhörer machen. Die integrierten Lautsprecher an der Unterseite sind gelinde gesagt ein Witz. Der Sound der da letztendlich raus kommt überschlagt schon bei leiser Lautstärke. Ne, das sollte nicht sein.

Mit dem Nokia 5.3 lässt es sich natürlich auch Telefonieren und das sogar ganz gut. Die Sprachqualität geht in Ordnung, was auch auf die Empfangsleistung (im Sunrise-Netz) zutrifft. Das Nokia 5.3 bietet überdies WLAN 802.11 b/g/n/ac, Bluetooth 4.2 und LTE Cat 4. Erfreulich: Auch ein NFC-Modul hat Nokia spendiert. Dem kontaktlosen Bezahlen via Google Pay steht nichts im Wege.

Der Fingerabdrucksensor arbeitet genau und ziemlich flott.

Software: Stock-Android at its finest

HMD Global bleibt sich treu: Auf dem Nokia 5.3 kommt ein fast komplett unberührtes Android in der aktuellen Version zum Einsatz. Android One nennt sich das und das wiederum bedeutet, dass sich Käufer auf mindestens zwei Major-Updates (Android 11 und 12 werden kommen) sowie mindestens drei Jahre Android-Sicherheitspatches freuen dürfen. Eine Seltenheit in dieser Preisklasse.

Wenn wir schon beim Thema Software-Updates sind: Ja, da sollte HMD Global mal wieder eines für das Nokia 5.3 nachreichen. Der Android-Sicherheitspatch stammt noch von März 2020 und ist somit nicht mehr wirklich aktuell. Tragisch ist das unterm Strich nicht, aber da bin ich mir von Nokia halt definitiv besseres gewohnt.

Android One bedeutet jeweils auch, dass die Hersteller im Grunde genommen keine oder nur sehr kleine Änderungen am System vornehmen. Optisch bekommt man Stock-Android geboten. Das gefällt den einen, den anderen wiederum nicht. Klar, Stock-Android wirkt teilweise etwas altbacken, aber irgendwie mag ich die dezenten Farben und Animationen. Eine Geschmacksache, eben.

Akku macht nicht so schnell platt

Das Nokia 5.3 hat einen nicht wechselbaren 4000 mAh Akku integriert und liefert damit ziemlich überzeugende Laufzeiten. Trotz mehrstündiges Videostreaming via Netflix, Surfen im Internet und ein paar Telefonate, kam ich auf fast zwei Tage Laufzeit. Das ist bei meinem Nutzungsverhalten schon ein ziemlich beachtlicher Wert.

Nokia 5.3: Die Stärken und Schwächen auf einen Blick

Stärken

  • gute Verarbeitung (aus Plastik)
  • solide Hardware (für den Preis)
  • akkurater Fingerabdrucksensor
  • Update-Garantie dank Android One (2 Jahre Major-Updates)
  • Stock-Android ohne Schnickschnack
  • keine Bloatware
  • NFC (Google Pay)
  • starker Akku

Schwächen

  • Gehäuse aus Plastik
  • Display nur HD+
  • Makrokamera
  • Nachtmodus der Kamera unbrauchbar
  • Lautsprecher unterdurchschnittlich

Das Fazit zum Nokia 5.3

Was kann man schon von einem Android-Smartphone für 199 Franken erwarten? Ganz schön viel, wie die Nokia-Lizenznehmerin HMD Global mit dem Nokia 5.3 eindrücklich beweist. Die verbaute Kamera macht insgesamt gute Fotos, sofern man auf Dinge wie Makroaufnahmen- und Nachtmodus verzichten kann. Die Kamera-Leistung geht für den Preis absolut in Ordnung. Die Akkulaufzeit ist hervorragend.

Freunde von Stock-Android werden am Nokia 5.3 gefallen finden und bekommen obendrauf noch eine Update-Garantie von zwei Jahren auf Major-Updates und sogar drei Jahren auf Android-Sicherheitspatches. Wer viel Wert auf Major-Updates in dieser Preisklasse legt, der ist mit dem Nokia 5.3 absolut gut bedient.

Kritik muss sich das Nokia 5.3 in puncto Gehäuse, Display und Lautsprecher gefallen lassen. Ein etwas hochwertigeres Gehäuse hätte dem Nokia 5.3 gut gestanden, wobei an der Verarbeitung nichts auszusetzen ist. Das Display löst nur mit HD+ auf, was bei der gebotenen Diagonale schon arg knapp ist. Und ja, die Lautsprecher können gleich vergessen werden.

Und wer sollte sich das Nokia 5.3 nun ins Auge fassen? Du möchtest kein Vermögen ausgeben und hast keine allzu hohen Erwartungen an die Kamera? Suchst ein System das funktioniert, nimmst es dem Smartphone aber auch nicht übel, wenn Apps etwas langsamer starten? Brauchst kein Schmuckstück mit Glas-Rückseite? Nun dann, solltest du das Nokia 5.3 ins Auge fassen.

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Bruno Rivas

Ist schon seit dem T-Mobile G1 (Import) mit Android unterwegs und nach wie vor begeistert davon! Du findest mich auch auf Facebook und Twitter

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