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LG Velvet 5G im Test – Ein Schmuckstück – und sonst?

Der südkoreanische Hersteller LG verabschiedet sich in diesem Jahr von der langjährigen und traditionsreichen G-Serie. In den letzten Jahren konnten die Android-Smartphones der G-Serie immer weniger überzeugen, was sich letztendlich negativ auf die Verkaufszahlen ausgewirkt hat. Ein Neuanfang musste her: Herausgekommen ist das LG Velvet.

Statt einem weiteren Flaggschiff-Smartphone, lanciert LG mit dem Velvet ein neues Premium-Mittelklasse-Gerät. Das Velvet basiert auf dem Qualcomm Snapdragon 765G-Prozessor der eine gute Leistung bewerkstelligt und darüber hinaus den 5G-Mobilfunkstandard unterstützt. Den Fokus richtete LG bei der Entwicklung auf etwas ganz anderes: Das Design.

Mit dem LG Velvet wagt sich der südkoreanische Hersteller (endlich!) an eine ganz neue Designsprache, die sich von der G- und V-Serie klar abhebt. Das gefällt! In der Tat war es in den letzten Jahren gar nicht so einfach die LG-Smartphones voneinander zu unterscheiden. Alle sahen bis auf kleinere Änderungen gleich aus.

Preislich liegt es bei 649 Franken, was für ein gehobenes Mittelklasse-Smartphone ein stolzer Preis darstellt. Immerhin gibt es momentan noch als Vorbesteller ein Smart-TV kostenlos dazu, mit dem der hohe Preis zumindest etwas relativiert wird. Wenn die Vorbesteller-Promo durch, dürfte dann auch der Preis automatisch etwas nach unten korrigiert werden.

Am Schluss des Testberichts findest du eine feine Gegenüberstellung der “Stärken” und “Schwächen” des LG Velvet 5G – sofern du keine Lust hast dich durch die vielen Wörter zu kämpfen.

LG Velvet: Das steht auf dem Datenblatt

  • Chipsatz: Qualcomm Snapdragon 765G 5G-Mobilfunkplattform
  • Display: 6,8-Zoll 20,5:9 FHD+ P-OLED Cinematic FullVision (2’460 x 1’080 / 395ppi)
  • Speicher: 128 GB ROM / 6 GB RAM / microSD (bis zu 2TB)
  • Kamera:
  • Hauptkamera: 48 MP Standard (F1.8 / 0.8μm / 79˚) / 8 MP Weitwinkel (F2.2 / 1.12μm / 120˚) / 5 MP Makro (F2.4 / 1. 12μm / 81˚)
  • Front: 16 MP-Standard (F1.9 / 1.0μm / 73˚)
  • Akku: 4’300 mAh
  • Betriebssystem: Android 10
  • Grösse: 167,2 x 74,1 x 7,9 mm
  • Gewicht: 180 Gramm
  • Netzwerk:  5G / LTE / 3G / 2G
  • Konnektivität: Wi-Fi 802.11 a, b, g, n, ac / Bluetooth 5.1 / NFC / USB Typ-C (USB 3.1-kompatibel)
  • Biometrische Daten: im Display angezeigter Fingerabdruck-Sensor
  • Farben: Illusion Sunset / Aurora White / Aurora Grey / Aurora Green / Aurora Silver 4 / New Black
  • Andere: Stereolautsprecher / AI CAM / Google-Objektiv / Google-Assistent / LG 3D-Sound-Engine / IP68 Wasser- und Staubbeständigkeit / HDR10 / Qualcomm Quick Charge 4+ Technologie / MIL-STD 810G-Konformität / LG Pay / FM Radio

Stilvolles Design gepaart mit hochwertiger Verarbeitung

Kurz und bündig: Das LG Velvet ist meiner Meinung nach das mit Abstand schönste Android-Smartphone des südkoreanischen Herstellers. Dafür zeigt sich vor allem die Rückseite mit der als “Regentropfen” angeordneten Triple-Kamera verantwortlich. Die Rückseite sieht dabei nicht nur echt schick aus, sondern schmiegt sich dank der gebogenen Längsseiten ideal an die Hand.

Der Hauptsensor der verbauten Triple-Kamera ragt leicht aus dem Gehäuse heraus, während die beiden weiteren Kamerasensoren und der LED-Blitz plan verbaut sind. Dadurch wackelt das LG-Smartphone auf einem Tisch nicht so stark wie beispielsweise beim Huawei P40 Pro(+) und Samsung Galaxy S20 Ultra (zum Testbericht).

Die Vorderseite fällt im Vergleich zur Rückseite deutlich weniger spektakulär aus. LG hat sich für eine sogenannte Waterdrop-Notch entschieden, in der sich die Selfie-Kamera befindet. Oben und unten fällt der Rand gleich “dünn” aus, Freunde der Symmetrie dürfen sich also freuen. Die Längsseiten des Displays sind leicht gebogen.

Ein interessantes Detail stellt der Rahmen aus Metall dar. Er ragt an den Ecken auf der Vorder- und Rückseite leicht über das Glas aus. Das verleiht dem LG Velvet einen speziellen Touch, den ich so bis jetzt bei keinem anderen Hersteller gesehen habe. Der Metallrahmen ist ansonsten sehr dünn gehalten, vor allem an den Längsseiten.

Am Metallrahmen befindet sich auf der rechten Seite der Power-Button. Auf der anderen Seite bringt LG die Lautstärke-Wippe und einen gesonderten Google Assistant-Button an. Die Tasten weisen einen angenehmen Druckpunkt auf und wackeln nur geringfügig. Es gibt einen 3,5 mm Klinkenanschluss (ohne Quad-DAC!), USB-C-Anschluss, Lautsprecher und ein Mikrofon an der Unterseite. Oben befindet sich der SIM-Slot (nanoSIM + microSD) und ein weiteres Mikrofon.

Die Verarbeitung kann zweifelsohne als sehr hochwertig bezeichnet werden. Am LG Velvet knarzt absolut nichts und es fühlt sich alles sehr hochwertig an. Ja, man spürt das LG sehr viel Wert auf das Design und die verwendeten Materialien gelegt hat.

Display: Farbintensives Bild, aber keine hohe Bildwiederholrate

Der südkoreanische Hersteller hat sich beim Velvet für ein 6,8 Zoll P-OLED-Cinematic FullVision-Display mit FullHD+-Auflösung (395 ppi) und einem Seitenverhältnis von 20,5:9 entschieden. Entgegen vieler Hersteller, bleibt LG der sogenannten “Waterdrop-Notch” treu. Das ist nicht tragisch, sondern eher eine Geschmacksache. Mir persönlich sagen Displays mit Punch-Hole mehr zu.

Insgesamt habe ich das Display vom LG Vevlet als sehr angenehm wahrgenommen. Es liefert ein farbintensives Bild, welches im Vergleich zu anderen Panels standardmässig relativ “kühl” kalibriert ist. In den Systemeinstellungen unter Anzeige lässt sich dieser “Makel” ohne Probleme gleich selbst beheben. Die Blickwinkelstabilität ist ausgezeichnet.

Die Helligkeit geht in Ordnung und man kann die Inhalte auch bei direkter Sonneneinstrahlung ablesen. Die automatische Helligkeitsregelung arbeitet dabei zuverlässig. Bei Nacht lässt sich die Helligkeit manuell ziemlich nach unten regeln, so dass die Inhalte darauf angenehm betrachtet werden können und nicht gleich das ganze Zimmer erhellt wird.

Was ich mir gewünscht hätte: Ein Display mit wenigstens 90 Hz Bildwiederholrate. Darauf verzichtet LG. Stattdessen gibt es nur den Standard mit 60 Hz. Das mag nicht stören, wer zuvor ein Smartphone mit 60 Hz genutzt hat. Wer jedoch sonst eines mit 90 oder gar 120 Hz nutzt, der wird sich zuerst an diesen Umstand gewöhnen müssen.

Triple-Kamera mit Hochs und Tiefs

LG spendiert dem Premium-Mittelklasse-Smartphone eine Triple-Kamera, die durch einen LED-Blitz ergänzt wird. Angeführt wird das Kamera-Setting durch den Hauptsensor mit 48 Megapixeln und f/1.8-Blende. Dazu gesellen sich ein Ultraweitwinkelsensor mit 8 MP (f/2.2) und ein Tiefensensor mit 5 MP (f/2.4). Die Selfie-Kamera macht Fotos mit 16 Megapixeln (f/1.9).

Bei guten Lichtverhältnissen gelingen sowohl mit dem Hauptsensor, als auch mit dem Ultraweitwinkelsensor gute Fotos. Für meinen Geschmack schärft die Software die Fotos jedoch etwas zu stark nach. Das wiederum führt dazu, dass teilweise sogar Wolken irgendwie komisch auf den Fotos aussehen. Noch deutlicher wird dieser Effekt mit 2-fach oder höherem Zoom.

Bei schwierigen Lichtverhältnissen hinterlässt nur der Hauptsensor einen passablen Eindruck. Mit den besten Kamera-Smartphones kann das LG Velvet in dieser Disziplin jedoch nicht mithalten. Die Aufnahmen sind oftmals stark verwaschen und unscharf. Noch deutlich schlechter fallen die Aufnahmen bei schwierigen Lichtverhältnissen des Ultraweitwinkelsensors aus.

Ein mit 30-fach Digital-Zoom aufgenommenes Foto. Die Qualität, na ja.

Eine Telefotolinse fehlt dem LG Velvet komplett. Ein digitaler 30-fach Zoom ist zwar vorhanden, dieser könnt ihr aber gleich wieder vergessen. Die Aufnahmen sehen ganz speziell aus und wiederspiegeln absolut nicht das, was sich vor der Linse befindet. Nun gut, ich war noch nie ein Freund vom digitalen Zoom.

Alles in allem bietet das LG Velvet eine passable Kamera – mehr nicht.

Weitere Beispielfotos vom LG Velvet gibt es in der Google Fotos Galerie unter diesem Link

Hardware: Gehobene Mittelklasse

Das LG Velvet wird vom Qualcomm Snapdragon 765G in Kombination mit 6 GB RAM angetrieben. LG hat sich gegen den Highend-SoC Snapdragon 865 entschieden, doch auch der 765 bietet viel Leistung und ebenfalls Unterstützung für den 5G-Mobilfunkstandard. Der interne und mit einer microSD-Karte erweiterbarer Speicherplatz beläuft sich auf 128 GB.

Ich hatte schon das eine oder andere Smartphone mit Qualcomm Snapdragon 765G in der Hand und alle boten eine mehr als zufriedenstellende Leistung. Beim LG Velvet bin ich jedoch etwas gespalten. Irgendetwas bremst das System aus – und ja, ich habe einen Verdacht. Denn bei Games zeigt sich das Velvet von seiner Sonnenseite – alles läuft schon flüssig.

Anders sieht es beim Scrollen durch die Systemeinstellungen oder bei der Multitaskingansicht aus. Hier erlaubt sich das LG Velvet vereinzelte “Ruckler”. Mein Verdacht? Nun, ich glaube die Ruckler sind auf die Benutzeroberfläche von LG zurückzuführen. Nur da konnte ich die “Denkpausen” reproduzieren Ansonsten lief das Velvet, wie ein Smartphone mit Snapdragon 765G zu laufen hat.

Natürlich kann mit dem LG Vevlet auch telefoniert werden. Die Sprachqualität kann im Test überzeugen. Bei der Empfangsleistung konnte ich keine nennenswerte Unterschiede zu anderen Smartphones feststellen. Kurz: Die Empfangsleistung war auf einem tadellosen Niveau. Weiterhin ist Wi-Fi 6, Bluetooth 5.1, NFC und USB C 3.1 mit an Bord.

Software: Aktuell, aber wie lange?

Das LG Velvet wird mit Android 10 und der Oberfläche LG UX 9.1 ausgeliefert. An dieser Stelle sei mir der Verweis auf die bisher relativ schwache Update-Politik des südkoreanischen Herstellers erlaubt. Ja, momentan ist das LG Velvet noch aktuell. Doch wie lange bleibt das so? Klar, das Velvet wird ein Update auf Android 11 erhalten, die Frage ist nur “wann”. In der Vergangenheit glänze LG ganz und gar nicht mit schnellen Updates – im Gegenteil.

Ansonsten erinnert die Oberfläche von LG etwas an Samsung One UI. Ja, ich würde behaupten, dass sich LG hier und da durchaus vom Mitbewerber inspirieren liess. Das ist per se nicht schlecht, schliesslich hat sich die Oberfläche von Samsung in den letzten Jahren sehr positiv weiterentwickelt und LG setzt die Designsprache konsequent überall im System um. Ich finde eine eigene “Note” bei der Software aber immer willkommen, das fehlt etwas bei LG.

Die Software ist gespickt mit vielen nützlichen (und auch weniger nützlichen) Funktionen. Es gibt ein Multi-Window-Ansicht in Form von “schwebenden Fenstern”, die mit vielen Apps funktioniert. Die Gesten von Android 10 sind voll integriert. Auch gibt es einen “Einhandbedienen”-Modus, womit sich das Gerät, ja wie es der Name schon verrät, auch mit einer Hand gut nutzen lässt.

Das grösste Problem der Oberfläche habe ich schon im Punkt weiter oben beschrieben. Die Performance ist lausig.

Akku: Reicht locker für einen Tag

Der Akku weist eine Kapazität von 4300 mAh auf und es wird Quick Charge 4+ unterstützt. Damit sollte sich sich der Akku ziemlich flott aufladen lassen – mit Betonung auf “sollte”. Tatsächlich lässt sich das LG Velvet 5G bei einem vollständigen Ladevorgang ziemlich viel Zeit. Damit meine ich bis zu 2 Stunden. In der heutigen Zeit kann das als “sehr langsam” eingestuft werden.

Positiv: Das LG Velvet kann sogar kabellos mittels Qi mit bis zu 9 Watt aufgeladen werden. In den Mittelklasse-Smartphones verzichten die Smartphone-Hersteller gerne darauf – bei LG nicht. Der Akku reicht locker für einen ganzen Tag Nutzung aus – auch wenn die Helligkeit des Displays eher auf “hoch” gestellt wird. Insgesamt war ich mit der Akkulaufzeit durchaus zufrieden.

LG Velvet: Das ist mir sonst noch aufgefallen

  • Fingerabdrucksensor: Nicht sehr schnell und erkannte oftmals meinen Fingerabdruck nicht
  • Dual Display: Das Velvet kann mit dem passenden Cover mit einem zweiten Display erweitert werden
  • Stereo-Lautsprecher: Gehen in Ordnung, wobei vor allem der untere Lautsprecher gut performt
  • IP68-Zertifizierung: LG gönnt sich die Zertifizierung, was bei anderen Mittelklasse-Smartphones in der Regel fehlt

LG Velvet: Die Stärken und Schwächen auf einen Blick

Stärken

  • schönes Design gepaart mit hochwertiger Verarbeitung
  • farbintensives Display, aber…
  • guter Prozessor, der von der Oberfläche ausgebremst wird
  • 5G-Unterstützung
  • gute Akkulaufzeit
  • Wireless-Charging (Qi)
  • IP68-Zertifizierung
  • Dual-Display-Cover

Schwächen

  • kein Dual-SIM-Support
  • … ohne 90 oder 120 Hz Bildwiederholrate
  • Benutzeroberfläche nicht flüssig
  • langsamer Ladevorgang
  • Fingerabdrucksensor teils ungenau und träge
  • Update-Politik bleibt ein Rätsel
  • Preis im Vergleich zu manchen Mitbewerbern eher hoch

Das Fazit zum LG Velvet

Ein Fazit zum LG Velvet ist gar nicht so einfach. Auf der einen Seite überzeugt das Velvet mit dem sehr gelungenen Design, gepaart mit der hochwertigen Verarbeitung. Es liegt ausgezeichnet in der Hand, was dem angenehmen Gewicht und den gebogenen Längsseiten zu verdanken ist. Hinzu kommt ein guter Prozessor, der auch den 5G-Mobilfunkstandard unterstützt.

Positiv hervorzuheben ist der Akku, der sich sogar kabellos aufladen lässt, und die IP68-Zertifizierung. Es gibt nur wenige Mittelklasse-Smartphones die mit einer IP-Zertifizierung auf den Markt kommen. Das Display hat mir sehr gut gefallen. Das Tüpfelchen auf dem “i” wäre jetzt noch eine etwas höhere Bildwiederholrate gewesen.

Die Kamera hat seine Sonnen- und Schattenseiten. Der Hauptsensor liefert bei optimalen Lichtverhältnissen gute Aufnahmen, wobei die Kamera-Software für meinen Geschmack teilweise etwas zu stark nachschärft. Bei schlechten Lichtverhältnissen bekunden sowohl Haupt- als auch Ultraweitwinkelsensor je nach Motiv grosse Probleme.

Hinzu kommt, dass die LG-Software keine restlos “ruckelfreie” Bedienung ermöglicht – zumindest im aktuellen Stadium nicht. Hier und da kommt es zu ungewöhnlichen Rucklern, was definitiv nicht am verbauten Prozessor liegt. Dieser bietet mehr als genügend Leistung, was der Prozessor auch in Games unter Beweis stellt. Das Problem liegt an der Software. Da muss nachgebessert werden.

Tja, und damit wären wir schon beim nächsten Punkt. Das Velvet wird mit Android 10 ausgeliefert und ist somit aktuell. Die Frage ist bei LG berechtigt, wie lange noch? Wenn im September Android 11 lanciert wird, wann wird das Update für das Velvet bereitgestellt? In den letzten Jahren erntete LG viel Kritik für die sehr schwache Update-Politik.

Bruno Rivas

Ist schon seit dem T-Mobile G1 (Import) mit Android unterwegs und nach wie vor begeistert davon! Du findest mich auch auf Facebook und Twitter

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