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Samsung Galaxy Z Flip im Test: So gehen Klapphandys im 2020

Seit ca. zwei Wochen begleitet mich das Samsung Galaxy Z Flip im Alltag. Es ist das zweite Foldable des südkoreanischen Herstellers und wird seit Anfang August auch in einer 5G-fähigen Variante verkauft. Im Gegensatz zum Samsung Galaxy Fold 5G, welches ich mir im letzten Jahr schon unter die Lupe nehmen durfte und eher auf den Formfaktor “Tablet” setzt, imitiert das Galaxy Z Flip ein klassisches Klapphandy.

Ich mag mich noch gut an eines meiner ersten Handys (noch nicht Smartphone!) erinnern. Es war das Samsung SGH-T100. Und ja es war ein klassisches Klapphandy, welches sogar als eines der ersten Handys ein Farbdisplay (um die 4000 Farben) und polyphone Klingeltöne (war der letzte Schrei damals!) bot. Verständlich, dass das Galaxy Z Flip bei mir für ein kleines Dé·jà-vu sorgte.

Was das Galaxy Z Flip auf dem Kasten hat und für wen es gedacht ist, verrate ich euch auf den nächsten Zeilen in Wort und Schrift. Am Ende dieses Beitrags habe ich euch zudem ein Hands-on Videingebunden, in dem ich euch in knackigen 8 Minuten ein paar Worte über das Galaxy Z Flip erzähle und ihr einen Blick darauf werfen könnt.

Samsung Galaxy Z Flip: Meiner Frau gefällts!

Das Samsung Galaxy Z Flip erinnert in geschlossenem Zustand an einen Schminkspiegel. In diesem Zustand ist es mit Abmessungen von 87 × 74 Millimetern fast quadratisch gehalten. Obwohl es mit 15 Millimetern bedeutend dicker als “normale” Smartphones ausfällt, empfand ich das Foldable absolut nicht als störenden Gegenstand im Hosensack – im Gegenteil. Dazu trägt auch das angenehme Gewicht von 180 Gramm bei.

Der Vergleich mit dem Schminkspiegel kommt nicht von ungefähr. Nicht nur meine Frau dachte zuerst an einen Schminkspiegel, sondern auch viele ihrer Freundinnen. Tatsächlich spricht das Galaxy Z Flip mit dem Design und der besonderen Farbgestaltung insbesondere weibliche Nutzerinnen an. Meiner Frau und ihren Freundinnen hat das Galaxy Z Flip jedenfalls ausserordentlich gut gefallen.

Schliesst nicht komplett, das Galaxy Z Flip.

In geschlossenem Zustand verhindert der vorstehende und etwas dicke Rahmen, dass das Display nicht auf das Display stösst. Damit möchte Samsung vermutlich Beschädigungen verhindern. Im Umkehrschluss ist dann jeweils ein kleiner Spalt in zugeklapptem Zustand sichtbar. Darin kann sich dann wiederum Staub oder sonstiger Schmutz ansammeln.

An der Aussenseite hat Samsung ein sehr kleines Display verbaut. Für meinen Geschmack ein etwas zu kleines Display, welches aufgrund der Grösse auch nicht besonders viele Informationen anzeigen kann. Immerhin ist es ein Touch-Display, welches mittels seitlicher Wischbewegung den Zugriff unter anderem auf die Musikwiedergabe ermöglicht. Direkt neben dem (zu) kleinen Display befindet sich eine Dual-Kamera.

In geöffnetem Zustand steht das Samsung Galaxy Z Flip den aktuellen Highend-Smartphones in nichts nach. Das Display ist schön gross und das Gerät ist nur noch ca. sieben Millimetern “dick”. Was jedoch auffällt, das Display und somit auch das ganze Gehäuse ist ziemlich in die Länge gezogen. Grund dafür ist das etwas ungewohnte Seitenverhältnis von 21,9:9.

Das Samsung Galaxy Z Flip lässt in puncto Verarbeitung absolut keine Wünsche übrig, was auch den gewählten und hochwertigen Materialien zu verdanken ist. Samsung setzt Aussen auf glänzendes Glas, was wiederum sehr anfällig auf Fingerabdrücke und extrem rutschig ist, und auf einen Rahmen samt Falt-Mechanismus aus Aluminium. Wer das Galaxy Z Flip immer perfekt in Szene setzen möchte, muss also zwingend ein Mikrofasertuch mit sich tragen.

Und ja, glaubt mir, das Teil ist wirklich extrem rutschig. Mehrmals ist es mir fast auf den Boden gefallen, da es sich plötzlich selbstständig vom Sofa bzw. einer nicht magnetischen Unterlage in Richtung “Abgrund” bewegte. Weniger problematisch ist die rutschige Oberfläche wenn das Gerät in der Hand gehalten wird. Da schmiegt es sich dank der abgerundeten Seiten ganz gut in die Hand.

Am Gehäuserahmen befindet sich rechts die Lautstärke-Wippe und der Power-Button. Direkt im Power-Button ist der Fingerabdrucksensor untergebracht. Dieser funktioniert einwandfrei, er arbeitet akkurat und schnell. Allerdings ist er etwas zu hoch angesetzt, so dass man mit grossen Händen fast nicht herankommt. Gegenüberliegend ist der SIM-Schacht zu finden. An der Unterseite befindet sich der USB-C-Anschluss, ein Mikrofon und Lautsprecher.

Grosses, leuchtintensives und faltbares Display

In ausgeklappten Zustand begrüsst einem das grosse 6,7 Zoll AMOLED-Display. Mit 2636 x 1080 Pixeln bzw. einer Pixeldichte von 425 ppi löst das Display knackscharf auf. Das Display ist mit aktivierter automatischer Helligkeitssteuerung sehr hell, so dass es ohne Probleme auch im Freien und bei direkter Sonneneinstrahlung abgelesen werden kann.

Über die sehr guten Kontraste und den nahezu perfekten Schwarzwert sowie Blickwinkelstabilität, müssen wir bei AMOLED-Displays von Samsung eigentlich nicht mehr sprechen. Wie bei allen AMOLED-Displays von Samsung, überzeugt das Galaxy Z Flip in diesen Kategorien auf ganzer Linie. Gut gestanden, hätte dem Galaxy Z Flip dafür eine etwas höhere Bildwiederholrate. Darauf muss man beim Galaxy Z Flip verzichten.

Dort, wo das Display gefaltet wird, ist weiterhin ein Falz spürbar. Bei der Nutzung des Smartphones fällt das allerdings überhaupt nicht auf und man darf sich einmal mehr über die beeindruckende Technologie erfreuen. Insgesamt hinterlässt das faltbare Display einen robusten Eindruck, bei dem Samsung erstmals auf ein Mix aus Glas und Plastik setzt.

Sorgen um den Falt-Mechanismus muss man sich laut Samsung jedenfalls nicht machen. Dieser ist für mindestens 200.000x auf- und zuklappen ausgelegt.

Kamera: Gut, aber nicht Highend

Entgegen der aktuellen Highend-Smartphones, in der immer mehr Kamerasensoren untergebracht sind, verbaut Samsung im Galaxy Z Flip “nur” eine Dual-Kamera. Es gibt eine Hauptkamera mit 12 Megapixeln und einer f/1.8-Blende, welche dank optischem Bildstabilisator (OIS) weitestgehend verwacklungsfreie Aufnahmen ermöglicht. Weiterhin ist eine Ultra-Weitwinkelkamera mit 12 Megapixeln und einer f/2.4-Blende integriert.

Obwohl das kleine Mini-Display an der Aussenseite ebenfalls als Sucher fungiert (und sich damit auch die Hauptkamera für Selfies eignet, verbaut der südkoreanische Hersteller eine zusätzliche Frontkamera mit 10 Megapixeln. Sie ist direkt als Punch-Hole (kleines Loch im Display) verbaut. Selfies sehen damit in Ordnung aus, die Hauptkamera liefert in Verbindung mit dem Mini-Display jedoch deutlich bessere Ergebnisse.

Apropos Hauptkamera: Sie liefert bei optimalen Lichtverhältnissen gute bis sehr gute Aufnahmen, mit vielen Details und der nötigen Schärfe. Samsung übertreibt es für meinen Geschmack aber wieder mit der Farbsättigung – etwas, das mir schon bei anderen Samsung-Smartphones negativ aufgefallen ist. Bei Nacht trennt sich die Spreu vom Weizen. Spätestens hier merkt man, dass Samsung den Fokus nicht auf die Kamera gelegt hat. Im Nachtmodus ermöglicht das Galaxy Z Flip zwar noch brauchbare Aufnahmen, sie können aber nicht mit aktuellen Highend-Smartphones wie dem Huawei P40 Pro(+) oder Samsung Galaxy S20 Ultra mithalten.

Die Ultraweitwinkelkamera liefert ähnliche Ergebnisse wie die Hauptkamera, wobei sie bei Nacht mit der weniger lichtempfindlichen Blende noch gröbere Schwächen aufzeigt. Insgesamt ermöglicht aber auch die Ultraweitwinkelkamera absolut brauchbare Ergebnisse. Damit du dir gleich selber einen Eindruck über die Kamera-Qualitäten machen kannst, habe ich bei Google Fotos ein paar Schnappschüsse abgelegt.

Ausstattung: Gehobene Mittelklasse-Hardware

Im von mir getesteten Galaxy Z Flip steckt der Qualcomm Snapdragon 855+, welcher im Herbst 2019 als Highend-SoC präsentiert wurde. Ganz so neu ist der SoC somit nicht mehr. Inzwischen gibt es von Qualcomm bereits den Snapdragon 865(+), welcher von Haus aus auch den 5G-Standard unterstützt. Wer unbedingt 5G haben möchte, muss zum ca. 300 Franken teureren Galaxy Z Flip 5G greifen, in dem der Snapdragon 865 den Takt angibt.

Doch was bedeutet das nun, ist das Galaxy Z Flip bereits veraltet und langsam? Nö, überhaupt nicht. In Verbindung mit den 8 GB RAM Arbeitsspeicher, rennt das Galaxy Z Flip in allen Belangen und ermöglicht eine butterweiche Bedienung. Dank der starken Adreno 640 GPU läuft damit auch jedes Game ohne Probleme. Einziger Wermutstropfen ist das Display, welches, wie bereits weiter oben erwähnt, leider keine höhere Bildwiederholrate bietet.

Erweiterbar ist der interne Speicherplatz nicht, was für Samsung doch eher untypisch ist. Immerhin verbaut Samsung ab Werk 256 GB Speicher (UFS 3.1), die man zuerst einmal mit Inhalten vollkriegen muss. Zwei physische SIM-Karten werden folgerichtig auch nicht unterstützt. Wer zwei Rufnummern nutzen möchte, muss auf die eSIM-Funktion umsteigen.

Weiterhin sind Dinge wie Bluetooth 5.0, Wi-Fi ac (leider nicht Wi-Fi 6), USB-C (USB 2.0), NFC und GPS (inkl. Galileo, Glonass und Beidu) mit an Bord. Keinen nennenswerten Schutz bietet das Foldable vor Wasser und Staub. Das ist nicht etwa ein Kostenfaktor, sondern dem faltbaren Display bzw. dem ganzen Falt-Mechanismus “verschuldet”.

Software: Foldable-Features sind Mangelware

Samsung liefert das Galaxy Z Flip mit Android 10 und der hauseigenen Oberfläche One UI 2.5 aus. Käufer des Galaxy Z Flip dürfen sich zudem über drei Jahre Android-Updates freuen – so wie im Übrigen viele weitere Smartphones und Tablets des südkoreanischen Herstellers. Eine erfreuliche Entwicklung, der sich weitere Hersteller gerne anschliessen dürfen.

Die Oberfläche sieht ansonsten gleich aus, wie bei allen anderen aktuellen Samsung-Geräten. Einige Apps wurden von Samsung optimiert, so dass sie das geteilte Display mehr oder weniger sinnvoll nutzen. Dazu zählt beispielsweise die Kamera-App, welche bei gekrümmten Display geteilt dargestellt wird. Ebenfalls bietet die YouTube-App eine solche Anpassung bei der Wiedergabe.

Das langgezogene Display eignet sich zudem hervorragend für die Multi-Window-Ansicht, welche bei Samsung schon länger mit an Bord ist und inzwischen ausgereift genutzt werden kann. Insgesamt hätte ich mir ein paar weitere Funktionen und Apps gewünscht, welche das faltbare Display noch etwas besser in Szene setzen. Mir fehlte dabei ein bisschen der “Wow-Faktor”.

Akku: Ich bin positiv überrascht

Im Samsung Galaxy Z Flip befinden sich zwei voneinander getrennte Akkus, welche insgesamt eine Kapazität von 3300 mAh liefern. Ehrlich gesagt war ich sehr skeptisch, was die Laufzeit des Smartphones betrifft. 3300 mAh sind bei einem solch grossen Display in der Regel schon fast zu knapp bzw. ermöglichen maximal eine “durchschnittliche” Laufzeit.

Aber ich wurde positiv überrascht. Tatsächlich liefert der Akku genügend Power, um das Foldable auch intensiv über den Tag hindurch nutzen zu können. Ich würde mich ja persönlich als “Power-User” mit einer hohen Display-On-Time bezeichnen und trotzdem konnte ich das Gerät problemlos bis zum Schlafengehen nutzen – ohne es zwischendurch mit Strom zu versorgen.

Die erfreulich gute Laufzeit ist mit grosser Wahrscheinlichkeit dem Qualcomm Snapdragon 855+ zu verdanken. Es ist unlängst bekannt, dass die Chipsätze von Qualcomm nicht nur eine höhere Leistung erzielen, sondern gleichzeitig auch effizienter arbeiten. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Exynos-Chipsatz spürbar schlechter abschneiden würde.

Doch auch das Galaxy Z Flip muss irgendwann mal mit neuer Energie versorgt werden. Das geht im Vergleich zu anderen Herstellern eher gemächlich vonstatten. In ca. 30 Minuten ist das Gerät zu knapp 50 Prozent aufgeladen. Eine volle Ladung via USB-C-Anschluss dauert fast zwei Stunden – eine Ewigkeit, sofern man sich 65 und mehr Watt gewohnt ist.

Alternativ lässt sich das Foldable auch drahtlos via Qi aufladen. Das geschieht dann noch etwas “gemächlicher”.

Samsung Galaxy Z Flip: Das ist mir sonst noch aufgefallen

  • Lautsprecher ist nur “Mono” – immerhin hört sich dieser bei nicht allzu hoher Lautstärke in Ordnung an.

Samsung Galaxy Z Flip: Die Stärken und Schwächen auf einen Blick

Stärken

  • hochwertige Verarbeitung
  • sehr gutes AMOLED-Display mit FHD+-Auflösung
  • schneller Prozessor
  • beeindruckender Falt-Mechanismus
  • alltagstaugliche Kamera
  • gute Akkulaufzeit
  • Update-Garantie während drei Android-Generationen

Schwächen

  • zu kleines Display auf der Aussenseite
  • weiterhin fragiler als “normales” Smartphone
  • nur wenig sinnvolle Apps und Funktionen bieten “Foldable-Mehrwert”
  • 5G-Support nur gegen Aufpreis (Samsung Galaxy Z Flip 5G)
  • nach wie vor hoher Preis

Samsung Galaxy Z Flip: Das Fazit

Das Samsung Galaxy Z Flip ist vor allem eins: Eine coole Socke! Wer mit seinem Smartphone  auffallen möchte, der macht mit dem Galaxy Z Flip grundsätzlich nichts falsch. Foldables sorgen für Aufmerksamkeit – das Flip mit der speziellen Farbgebung sowieso.

Das auf- und zuklappen des Smartphones erinnert an die guten alten Zeiten, als die Klapphandys der letzte Schrei waren. Das auf- und zuklappen sieht zwar cool aus, wer sein Smartphone aber oft in der Hand hält, dem wird genau das nach der anfänglichen Euphorie verleiden. Bei mir war es jedenfalls so – was natürlich nichts zu heissen vermag.

Ja, das Galaxy Z Flip kommt mit einem “Coolness” Faktor daher, technisch ist es aber nicht mehr ganz auf der Höhe. Ich würde aber mal behaupten, dass der technische Aspekt beim Zielpublikum keine nennenswerte Rolle spielt. Sofern das Design stimmt, das Gerät ohne Ruckler arbeitet und obendrauf tolle Fotos macht, passt es.

Und genau in diesen Punkten macht Samsung mit dem Galaxy Z Flip alles Richtig. Darüber hinaus ist der Preis seit der Einführung des Galaxy Z Flip 5G deutlich gesunken. In der Tat ist das Galaxy Z Flip inzwischen das günstigste Foldable am Markt. Also, worauf wartest du?

Samsung Galaxy Z Flip: Hands-on Video

Last but not least, binde ich an dieser Stelle noch mein Hands-on Video ein. Ich stecke mit YouTube-Videos noch in den Kinderschuhen und bin mir ehrlich gesagt noch nicht ganz sicher, ob ich dieses Format weiterführen werde. Also, verzeiht mir, wenn das Video nicht extrem professionell daherkommt. Inhaltlich sollte es passen. 😉

Bruno Rivas

Ist schon seit dem T-Mobile G1 (Import) mit Android unterwegs und nach wie vor begeistert davon! Du findest mich auch auf Facebook und Twitter

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